Kentern inklusive

 

Kanutour aus der Sicht eines Jugendlichen

 

Jugendliche unternahmen gemeinsam mit Trainern eine Kanutour im Süden Thüringens.

Ein Jugendlicher aus dem Projekt Chance schildert Erlebnisse einer Kanutour aus eigener Sicht.

„Die ganze Aufregung begann schon Tage zuvor, an denen wir viel Zeit mit der Planung und Einteilung der Aufgaben verbrachten, erzählt Michi, ein junger Teilnehmer. Früh morgens vor der Abreise begann der Tagesablauf wie gewöhnlich. Um 6:05 bis 6:30 Uhr Morgenjoggen. Danach hatten wir eine halbe Stunde Zeit, zum Duschen und unsere Sachen zu packen. Das war natürlich schon eine große Herausforderung für manche von uns. Punkt 7:05 Uhr begann, wie jeden Morgen, das Frühstück, welches exakt 25 Minuten dauerte. Gegen 7.30 Uhr beluden wir die Autos mit unserem Gepäck, Lebensmitteln und der Gleichen.

Nachdem wir auf unsere Sitzplätze geeinigt hatten, gab es keinen Grund mehr für schlechte Laune. Wir durften sogar unsere eigene Musik abspielen lassen, was normalerweise ein Privileg ist. Es schien scheinbar perfekt. Als wir nach zwei Stunden Fahrt ankamen, wurde die Vorfreude auch noch bestätigt. Wir wurden von dem netten Hausherrn in Empfang genommen und bekamen auch gleich noch eine Führung durch das kleine Häuschen. „Wie damals im Schullandheim,“ sagten einige der Jungs. Nachdem wir die Hütte bezogen hatten, ging es auch gleicht mit der Kanutour los. Als wir endlich an dem vereinbarten Treffpunkt ankamen, wurden wir erst einmal von sehr zurückhaltenden Kanuguide eingewiesen. Einige der Jungs sich noch nie Kanu gefahren und umso lustiger war es dann, als sie gekentert sind.

Am Abend saßen wir dann alle noch am Lagerfeuer zusammen und tauschten uns über den Nachmittag bei einem leckeren Würstchen aus.

Selbst eine Kanutour ist geprägt von Selbstorganisation und strikter Einhaltung der Aufgabenverteilung.“

 

Mit Erlebnispädagogik soziale Kompetenzen wieder erlangen

Gemeinsam mit Günther Hahn, langjähriger Partner im Bereich Outdoor und Erbauer des Seilgartens, durften Pädagogen des Projekt Chance und der Realschule Creglingen den pädagogisch wertvollen Effekt im Niedrigseilgarten „am eigenen Leib erfahren.“

 

Wozu Erlebnispädagogik

Seit einigen Jahren hat die Erlebnispädagogik in unterschiedliche Bereiche des öffentlichen Lebens in die Jugendarbeit (egal ob öffentlich, kirchlich oder von Vereinen) Einzug gehalten. Sei es in die Einzelbetreuung besonders auffälliger Kinder und Jugendlichen (Heimerziehung, Jugendstrafvollzug), oder auch in die Erwachsenenbildung bis hin zur Teamentwicklung von Managementgruppen größerer Unternehmen. Was landläufig als reine Freizeitgestalten gilt, wirkt erwiesenermaßen dem Verfall gesellschaftlich wertvollen Kompetenzen des Einzelnen entgegen.

Bedingt durch den Einzug des technischen Fortschritts, verbringen Kinder und Jugendliche vermehrt ihre Freizeit vor dem heimischen Computer, Fernseher oder mit dem Internet. Haben sie früher viel Zeit Schnitzeljagt, Fahrradtouren oder anderen Aktivitäten gemeinsam verbracht, beschränkt sich heute die Kommunikation der jungen Generation auf soziale Netzwerke und ähnliches. Gruppendynamische Lernprozesse, wie Konfliktbewältigung, Teamfähigkeit, gegenseitige Wertschätzung, sportliche Aktivitäten und die Fähigkeit spontan auf Ereignisse zu reagieren, gehen in der heutigen Zeit mehr und mehr verloren.

 

Drahtseilakt gelang

Mit gezielten Vorübungen, bei denen sich die Teilnehmer gegenseitig auffangen lassen mussten, wurde das Vertrauen untereinander gestärkt. Die erste Herausforderung stellte der Niedrigseilgarten. Ziel des ganzen war es, die gesamte Gruppe geschlossen über die max. 40 cm über dem Boden gespannten Gurte zu bringen. Nach mehrmaligem Abrutschen war Planung geboten. Die Durchführung der vorher getroffenen Entscheidung mussten ausprobiert und ggf. revidiert werden, denn jeder Einzelne wird gebraucht, um das gemeinsame Ziel zu erreichen. Dabei ist Rücksicht auf vermeintlich Schwächere zu nehmen wenn ein Gruppenmitglied beispielsweise mit dem Gleichgewicht Probleme hat. „Ohne gegenseitige Unterstützung kann der „Drahtseilakt“ nicht gelingen,“ erklärte Raschko seinen Schülern. Durchhaltevermögen und eine lösungsorientierte Haltung stehe hier im Vordergrund. Je größer die Grenzerfahrung geistiger, seelischer oder körperlicher Art des Einzelnen ist, desto mehr ist die Gruppe aufgefordert, dem schwächeren Glied durch die Situation hindurch zu helfen. Je stärker die emotionale Beteiligung, desto nachhaltiger können Erfahrung auf ähnliche Situationen im Alltag transferiert werden.

 

Erfahrungen der Jugendlichen im Projekt

„Das schaffen wir doch nie“, erinnert sich Felix Hensch, Trainer im CJD Creglingen an den Tag vor einigen Wochen, als die 13 Jugendlichen aus dem Projekt Chance vor derselben Aufgabe standen. Das Ergebnis sah anders aus. Alle 13 Jungs hatten es geschafft. „Es war auch für mich eine echte Geduldsprobe, zu sehen wie einige immer und immer wieder das Gleichgewicht verloren aber es hat sich gelohnt durchzuhalten,“ bestätigte Hensch die gruppendynamische Wirkung auf die Gruppe.

                                                                                                                                                                           

                                                                                                                                                            Text und Foto: Ute Lang

Teamwork gefragt

Weg führte durch die Tauber – Teamwork war gefragt

Eine echte Herausforderung für die Jugendlichen aus dem Projekt Chance waren die Outdoor Tage durch das Taubertal. Die fünfstündige Wanderung mit Verpflegung und Zeltbaumaterial auf dem Rücken, führte mitten durch die Tauber über steile Wege, durch Wald und Wiesen. Einige Jugendliche wateten durch das höchstens zwei Grad kalte Wasser, während andere es schafften, trockenen Fußes das andere Ufer zu erreichen. Kreativität war besonders beim Zeltbau gefragt. Eine mitgebrachte Plane für jeden war das Ausgangsmaterial. Aus Ästen und anderen Naturmaterialien gestaltete sich jedes Zelt anders. Es entstand ein Zeltlagerplatz vom Toilettenhäuschen bis zur Feuerstelle. Von allem war beim Aufbruch zurück ins Kloster Frauental nichts mehr zu sehen. „Für mich waren die Klettertour im Hochseilgarten, das Lagerfeuer und die gemeinsamen Spiele am Abend ein cooles Erlebnis, “ beschreibt Sergej, ein Jugendlicher aus dem Projekt, die vergangenen Tage.

Der sechsstündige verregnete Rückmarsch forderte die Gruppe erneut heraus. Die über dem Ufer der Tauber in Zweigen hängenden Leckereien aus Schokolade erschienen als wertvoller Proviant für den Rückweg. Bis zur Brust im Wasser stehend erreichten die Jugendlichen ihr Ziel. Nach der mageren Verpflegung der letzten Tage, war eine warme Mahlzeit bei ihrer Rückkehr im Kloster der Höhepunkt des Abends.

Hipp Hopp kritisch beleuchtet

Cooler Flow aber was steckt dahinter?

 

Gemeinsam mit dem Verein basa e.V. für politische Jugendbildung aus Neu-Anspach beleuchteten die Jugendlichen im Projekt Chance in einem Workshop die Hintergründe der Hipp Hopp Szene und Deutschem Rap. „Ich finde Hipp Hop und RAP echt cool aber die Texte sind fast immer frauenfeindlich und irgendwie diskriminierend,“ waren sich die Jugendlichen im Projekt Chance einig. „Jetzt höre ich die Musik bewusster und greife lieber auf englischen Hip Hop zurück, durch den schnellen Slang ist der Text kaum zu verstehen,“ so das Fazit eines Teilnehmers. In einem selbst komponierten RAP konnten sich die Jugendlichen verwirklichen.

 

Rhein-Main, das Gebiet woher ich kam…

Bereue meine Taten und schaue jetzt nach vorn…

Izini, izini – ist in meinen Träumen

Freedom, Freedom – raus aus engen Räumen

Lauf raus und schau nicht zurück

Liberta – Das Streben nach Glück

 

Völlig begeistert zeigten sich die Jugendlichen über den französischen Rap des Teamleiters Pablo. Die in seiner Muttersprache entstandenen Texte erzählen ein wenig über seine eigene Geschichte.

Ein Nebeneffekt war die „super“ Atmosphäre durch die Musik. „Dabei bin ich total runtergekommen und war nach den Workshop Tagen total entspannt,“ beschrieb ein Teilnehmer. Dank professioneller Ausrüstung konnten die Jugendlichen am Ende der Tage Anwesende und Mitarbeitende mit einer Kostprobe ihrer Eigenproduktion mitreißen.