Jugendliche stellen Image des Hip Hop auf den Kopf

Unsere Texte - unsere Lieder

Frauental  -  Eine Woche lang stand das Kloster Frauental ganz im Zeichen des Hip Hop. 12 Jugendliche aus dem Projekt Chance befassten sich fünf Tage lang mit der Entstehung und geschichtlichen Hintergründen der Hip Hop Bewegung. Sie erarbeiteten ein gemeinsames Thema und texteten eigene Liedverse. Hip Hop steht landläufig für eine Musikrichtung gesellschaftlicher Subkultur erklärt Jamal, einer der Workshop Leiter vom basa e.V. Neu Anspach (Verein für Kinder- und Jugendbildung). „Mein Anliegen ist es, den Menschen einen Impuls zu geben was Hip Hop wirklich ist; eine Szene, dessen ursprüngliche  Wurzeln aus der Zeit nach der Sklaverei in USA stammen. Die Grundidee der Bewegung stand unter dem Motto „Musik statt Gewalt”. Mitte der 90er Jahre hielt die Hip Hop Szene Einzug in Deutschland. Seither gilt die Musikrichtung als ein Ventil verbalen Abreagierens. „Ich fand es echt cool, unter professioneller Anleitung einen Einblick in die Produktion eines Rap Titels zu bekommen, freute sich einer der Jungs über das technisch gewonnene „Know how“.

Das Jugendliche aus problematischen Verhältnissen, die eigene Vergangenheit in Hip Hop Liedtexten „auf den Kopf stellen“ können, bewiesen sie während ihrer musikalischen Aufführung mit einem eigenen Deutsch RAP. Ausnahmslos fassten die Jugendlichen den Mut, ihre selbst verfassten Liedverse singend zum Besten zu geben. „Ich war tief berührt von Texten wie diesen…

Liebe und Hass, Freude und Neid, die Antwort

vieler Menschen auf ihr eigenes Leid;

Politiker verachten die eigenen Gesetze,

deshalb sieht man auf der Welt nur noch Gewaltexzesse;

Was verstehen die Menschen schon von Lieben,

das Einzige was sie können, ist das Leiten von Kriegen;

Bitte Gott, gib die Kraft leidenden Familien,

egal ob in Afghanistan oder Syrien.

…erzählt eine Zuhörerin über ihre persönlichen Eindrücke während der Inszenierung. Mit einer wertschätzenden Grundhaltung Erwachsener jungen Menschen gegenüber, haben Jugendliche eine echte Chance, das eigene Leben wieder in richtige Bahnen zu lenken. Im Projekt Chance haben die jungen Männer, umgeben von einem geschützten Rahmen die Möglichkeit, ihre wahren Stärken zu entdecken und zu lernen, sich selbst mit eigenen Kompetenzen in ihre Umwelt zu investieren. „Ich bin so beeindruckt von dem was die Jungs für ein wenig Zuwendung und Achtung von Seiten der Mitarbeitenden zurückgeben und welch massive Kehrtwende sie innerhalb der kurzen Zeit im Projekt vollziehen,“  beschreibt eine 51-jährige Beobachterin, die das Geschehen im Projekt Chance jetzt seit einem knappen Jahr begleitet.

Die Mitarbeiter des Projekt Chance bedanken sich bei den professionell ausgerüsteten Musikproduzenten des basa e.V. für ihren persönlichen Einsatz, die Jungs zu motivieren, alles was in ihnen steckt, herauszuholen und preis zu geben.

Mit Erlebnispädagogik soziale Kompetenzen wieder erlangen

Gemeinsam mit Günther Hahn, langjähriger Partner im Bereich Outdoor und Erbauer des Seilgartens, durften Pädagogen des Projekt Chance und der Realschule Creglingen den pädagogisch wertvollen Effekt im Niedrigseilgarten „am eigenen Leib erfahren.“

 

Wozu Erlebnispädagogik

 

 

Seit einigen Jahren hat die Erlebnispädagogik in unterschiedliche Bereiche des öffentlichen Lebens in die Jugendarbeit (egal ob öffentlich, kirchlich oder von Vereinen) Einzug gehalten. Sei es in die Einzelbetreuung besonders auffälliger Kinder und Jugendlichen (Heimerziehung, Jugendstrafvollzug), oder auch in die Erwachsenenbildung bis hin zur Teamentwicklung von Managementgruppen größerer Unternehmen. Was landläufig als reine Freizeitgestalten gilt, wirkt erwiesenermaßen dem Verfall gesellschaftlich wertvollen Kompetenzen des Einzelnen entgegen.

Bedingt durch den Einzug des technischen Fortschritts, verbringen Kinder und Jugendliche vermehrt ihre Freizeit vor dem heimischen Computer, Fernseher oder mit dem Internet. Haben sie früher viel Zeit Schnitzeljagt, Fahrradtouren oder anderen Aktivitäten gemeinsam verbracht, beschränkt sich heute die Kommunikation der jungen Generation auf soziale Netzwerke und ähnliches. Gruppendynamische Lernprozesse, wie Konfliktbewältigung, Teamfähigkeit, gegenseitige Wertschätzung, sportliche Aktivitäten und die Fähigkeit spontan auf Ereignisse zu reagieren, gehen in der heutigen Zeit mehr und mehr verloren.

 

Drahtseilakt gelang

Mit gezielten Vorübungen, bei denen sich die Teilnehmer gegenseitig auffangen lassen mussten, wurde das Vertrauen untereinander gestärkt. Die erste Herausforderung stellte der Niedrigseilgarten. Ziel des ganzen war es, die gesamte Gruppe geschlossen über die max. 40 cm über dem Boden gespannten Gurte zu bringen. Nach mehrmaligem Abrutschen war Planung geboten. Die Durchführung der vorher getroffenen Entscheidung mussten ausprobiert und ggf. revidiert werden, denn jeder Einzelne wird gebraucht, um das gemeinsame Ziel zu erreichen. Dabei ist Rücksicht auf vermeintlich Schwächere zu nehmen wenn ein Gruppenmitglied beispielsweise mit dem Gleichgewicht Probleme hat. „Ohne gegenseitige Unterstützung kann der „Drahtseilakt“ nicht gelingen,“ erklärte Raschko seinen Schülern. Durchhaltevermögen und eine lösungsorientierte Haltung stehe hier im Vordergrund. Je größer die Grenzerfahrung geistiger, seelischer oder körperlicher Art des Einzelnen ist, desto mehr ist die Gruppe aufgefordert, dem schwächeren Glied durch die Situation hindurch zu helfen. Je stärker die emotionale Beteiligung, desto nachhaltiger können Erfahrung auf ähnliche Situationen im Alltag transferiert werden.

 

Erfahrungen der Jugendlichen im Projekt

„Das schaffen wir doch nie“, erinnert sich Felix Hensch, Trainer im CJD Creglingen an den Tag vor einigen Wochen, als die 13 Jugendlichen aus dem Projekt Chance vor derselben Aufgabe standen. Das Ergebnis sah anders aus. Alle 13 Jungs hatten es geschafft. „Es war auch für mich eine echte Geduldsprobe, zu sehen wie einige immer und immer wieder das Gleichgewicht verloren aber es hat sich gelohnt durchzuhalten,“ bestätigte Hensch die gruppendynamische Wirkung auf die Gruppe.

                                                                                                                                                                           

                                                                                                                                                            

Hörspiel "Vladis Coup"

Hörspiel mit Zuversicht

Die von der Bundeszentrale für politische Bildung geförderte Hörspielproduktion mit dem Titel “Vladis Coup“ stammt inhaltlich aus der Feder der Jugendlichen im Projekt Chance. Dazu sammelten die zehn Jungs im Brainstorme Verfahren Begriffe, um den Inhalt thematisch zu füllen. In Gruppenarbeit entstanden drei Entwürfe für die Hörspielgeschichte vom Roman bis zum Comic. Die Entscheidung fiel auf eine lebensnahe Geschichte mit Zuversicht. „Ich fand es total interessant zu lernen, wie man Tonaufnahmen schneidet und sie zu einem Hörspiel zusammenfügt,“ erzählt ein junger Teilnehmer aus dem Projekt. Das Ergebnis spiegelt die Zuversicht wieder, dass auch sie auf Menschen stoßen könnten, die ihnen eine Chance für die Zukunft geben. 

Die Geschichte erzählt von einem russischen Jugendlichen ohne Eltern in Deutschland. Gemeinsam mit seinem etwas jüngeren Bruder Ivan sucht er finanzielle Lösungen zur besseren Versorgung, auch für ihre kleine Schwester. Über den kriminellen Egzon will sich Vladi, der Älteste der Geschwister, an einem Raub beteiligen. Mit gemischten Gefühlen, wohlwissend einen großen Fehler zu begehen, begegnet er einem alten Mann, der einmal in einer ähnlichen Situation war und es heute bereut. Vladi wird immer nachdenklicher, bis ein Unbekannter auf ihn aufmerksam wird, der sieht wie Vladi auf einer Bank sitzend mit seiner Entscheidung ringt. Der Jugendliche erzählt ihm seine Geschichte. Das Ganze endet mit einer überraschenden Lösung. Der Fremde, ein anscheinend einsamer Firmeninhaber, bietet Vladi einen Job und lädt ihn und seine Geschwister ein, bei sich zu wohnen. Alles unter der Bedingung, sich nichts zu Schulden kommen zu lassen. Vladi, dankbar für sein großzügiges Angebot, bietet dem Fremden seine Hilfe in Haus und Garten an.

Christian Kirschner von basa e.V. Ansbach und Trevor Hurst, der die Regie und die Tontechnik betreute, zeigten sich begeistert am Interesse der jungen Männer für die technische Produktion und ihr Engagement die Geschichte in einem Hörspiel umzusetzen. Bei der abschließenden Präsentation für alle Mitarbeiter im Haus reagierten die jungen Akteure mit einem Lächeln, erstaunt darüber, die eigene Stimme in einem Hörspiel wiederzuerkennen.

Teamwork gefragt

Weg führte durch die Tauber

Eine echte Herausforderung für die Jugendlichen aus dem Projekt Chance waren die Outdoor Tage durch das Taubertal. Die fünfstündige Wanderung mit Verpflegung und Zeltbaumaterial auf dem Rücken, führte mitten durch die Tauber über steile Wege, durch Wald und Wiesen. Einige Jugendliche wateten durch das höchstens zwei Grad kalte Wasser, während andere es schafften, trockenen Fußes das andere Ufer zu erreichen. Kreativität war besonders beim Zeltbau gefragt. Eine mitgebrachte Plane für jeden war das Ausgangsmaterial. Aus Ästen und anderen Naturmaterialien gestaltete sich jedes Zelt anders. Es entstand ein Zeltlagerplatz vom Toilettenhäuschen bis zur Feuerstelle. Von allem war beim Aufbruch zurück ins Kloster Frauental nichts mehr zu sehen. „Für mich waren die Klettertour im Hochseilgarten, das Lagerfeuer und die gemeinsamen Spiele am Abend ein cooles Erlebnis, “  einer der Jugendlichen aus dem Projekt, die vergangenen Tage.

Der sechsstündige verregnete Rückmarsch forderte die Gruppe erneut heraus. Die über dem Ufer der Tauber in Zweigen hängenden Leckereien aus Schokolade erschienen als wertvoller Proviant für den Rückweg. Bis zur Brust im Wasser stehend erreichten die Jugendlichen ihr Ziel. Nach der mageren Verpflegung der letzten Tage, war eine warme Mahlzeit bei ihrer Rückkehr im Kloster der Höhepunkt des Abends. Aktionen wie diese stärken die soziale Kompetenz des Einzelnen und stärken gruppendynamische Prozesse.

Hip Hop kritisch beleuchtet

Cooler Flow aber was steckt dahinter?

 

Gemeinsam mit dem Verein basa e.V. für politische Jugendbildung aus Neu-Anspach beleuchteten die Jugendlichen im Projekt Chance in einem Workshop die Hintergründe der Hip Hop Szene und Deutschem Rap. „Ich finde Hip Hop und RAP echt cool aber die Texte sind fast immer frauenfeindlich und irgendwie diskriminierend,“ waren sich die Jugendlichen im Projekt Chance einig. „Jetzt höre ich die Musik bewusster und greife lieber auf englischen Hip Hop zurück, durch den schnellen Slang ist der Text kaum zu verstehen,“ so das Fazit eines Teilnehmers. In einem selbst komponierten RAP konnten sich die Jugendlichen verwirklichen.

 

Rhein-Main, das Gebiet woher ich kam…

Bereue meine Taten und schaue jetzt nach vorn…

Izini, izini – ist in meinen Träumen

Freedom, Freedom – raus aus engen Räumen

Lauf raus und schau nicht zurück

Liberta – Das Streben nach Glück

 

Völlig begeistert zeigten sich die Jugendlichen über den französischen Rap des Teamleiters Pablo. Die in seiner Muttersprache entstandenen Texte erzählen ein wenig über seine eigene Geschichte.

Ein Nebeneffekt war die „super“ Atmosphäre durch die Musik. „Dabei bin ich total runtergekommen und war nach den Workshop Tagen total entspannt,“ beschrieb ein Teilnehmer. Dank professioneller Ausrüstung konnten die Jugendlichen am Ende der Tage Anwesende und Mitarbeitende mit einer Kostprobe ihrer Eigenproduktion mitreißen.