Zweiter Fachtag „Positive Jugendkultur & Schule“

Jugendlicher aus Projekt Chance als Mitarbeiter in Schule

Gemeinsam mit dem Regierungspräsidium Stuttgart veranstaltete das CJD Creglingen den zweiten Fachtag „Positive Peer Culture .“ Vier Schulen Baden Württembergs arbeiten mit Elementen aus PPC präventiv  gegen Sucht und Gewalt in ihren Einrichtungen.

Ziel des Tages war, das Präventionskonzept “stark.stärker.WIR.“ an Schulen in Baden Württemberg mit dem methodischen Ansatz der Positive Peer Culture (PPC) zu verbinden und zu erweitern. Das Projekt Chance in Creglingen arbeitet seit 2003 mit diesem Ansatz, der mittlerweile durch das Frauentaler Vorbild auch in der JVA Adelsheim praktiziert wird.

„Ich freue mich, dass Sie von uns lernen wollen“, begrüßte Michael ein Jugendlicher im Projekt Chance, gemeinsam mit Herrn Georg Horneber, (Leiter des Hauses) mehr als 50 Gäste zum zweiten Fachtag mit dem Thema „Positive Peer Culture (PPC) und Schule“ im Kloster Frauental.

Der vom Regierungspräsidium Stuttgart gestaltete Tag, richtete sich in erster Linie an Schulen aus Frommern, Künzelsau, Gaildorf, Crailsheim und Ellwangen. Neben den genannten Schulen waren weitere interessierte Schulen, Präventionsbeauftragte des Regierungspräsidiums Stuttgart und Sozialarbeiter eingeladen. Durch Foren und Vorträge mit Prof. Dr. Opp, (Universität Halle) der PPC aus den USA auf deutsche Verhältnisse übertrug und Angela von Manteuffel, zuständig für Fortbildung im  CJD Creglingen, wurden die Teilnehmenden für ihren weiteren Weg geschult. 

Motiviert durch frühere Infotage an Schulen mit dem Präventionsbeauftragten Gerd Frick vom Regierungspräsidium Stuttgart begleitet von Jugendlichen aus dem Projekt Chance, begannen die fünf Schulen das pädagogische Konzept aus dem Kloster Frauental in ihren Einrichtungen umzusetzen. Ganz nach dem Motto – „Wenn es mit  Jugendlichen aus dem offenen Strafvollzug gelingt, dann wohl auch mit unseren Schülern“.

Das Präventionskonzept des Landes “stark.stärker.Wir.“ trägt mehr und mehr Frucht

„Michaels Bericht auf einem Infotag in Frommern über sein Leben und seine jetzige Perspektive durch das Training im CJD Creglingen, hat unsere Schülerinnen und Schüler so tief beeindruckt, dass wir unseren Kindern und Jugendlichen diese pädagogische Grundhaltung nicht vorenthalten wollten, berichtete die stellvertretende Schulleiterin Ade-Heiner des Schulverbundes Frommern. „Ein neues Ziel für unsere Zukunft wäre, Michael als Absolventen des Projekt Chance an unsere Schule zu holen, um von seinen Erfahrungen aus der Zeit im Projekt zu profitieren.“

Pädagogen waren sich einig

Lehrkräfte, Sozialarbeiter und Präventionsbeauftragte stimmten der Aussage Opps zu, der in seinem Vortrag auf die Notwendigkeit hinwies: „Nicht die Schüler müssen verändert werden, sondern zuerst einmal müssen wir Erwachsenen an unserer pädagogischen Grundhaltung arbeiten.“ Das Vertrauen in unsere Jugend, innerhalb ihrer Klassenverbände (Peergroups), selbständig Lösungen für Probleme ihrer Generation finden zu können, sei Voraussetzung für das Gelingen einer positiven Gruppenkultur. Erst dann könne damit begonnen werden, die jungen Menschen durch pädagogische Unterstützung auf ihrem gruppendynamischen Weg zu begleiten.

Zudem basiere das Konzept u. a. auf dem Grundbedürfnis nach Zugehörigkeit: „Nur wer sich einer Gemeinschaft zugehörig fühlt und das Privileg der Mitsprache und Mitbestimmung erhält, wird Verantwortung für sich selbst und für die Gemeinschaft übernehmen,“ betonte Angela von Manteuffel. In ihrem Vortrag erklärte sie den „Circle of Courage“ als Teil von PPC, der  besonderes Augenmerk auf Grundbedürfnisse legt. Die Erkenntnis darüber, was Kinder und Jugendliche brauchen, sind lange bekannt. Trotz kultureller Unterschiede, gibt es universelle menschliche Werte und Bedürfnisse, die auch PPC in den Mittelpunkt stellt: der Wunsch nach Anerkennung, Respekt und der Zugehörigkeit mit gleichzeitiger Entwicklung einer unabhängigen Persönlichkeit, lassen den Menschen in seinen sozialen Kompetenzen und seinen individuellen Fähigkeiten wachsen. Das Konzept PPC ist eine Alternative zur strafenden, aber auch zu „Weichspülpädagogik“. Innerhalb klaren Grenzen liegt der Fokus nicht auf den Schwächen, sondern auf den Stärken der Jugendlichen. Jeder Einzelne soll sich seiner Stärken bewusst werden und sie zum Wohle anderer Einsetzen. Offene Kritik wie auch Lob und als Konsequenz die gemeinsame Lösungsorientierung werden im Alltag großgeschrieben. Dass der Aufbau einer positiven Gruppenkultur auch mit „schwierigen Jugendlichen“ gelingen kann, zeigt das Projekt Chance seit mehr als 10 Jahren.

Wunsch auf Unterstützung

Sucht – und Gewaltprävention sowie der Aufbau einer positiven Gruppenkultur sollte das Ziel aller pädagogischen Einrichtungen in Baden-Württemberg werden. „Wir als Lehrkräfte engagieren uns in unserer Freizeit gemeinsam mit unseren Schülerinnen und Schülern, um mit Hilfe von PPC in die Gesellschaft von morgen zu investieren. Der Schulverbund Frommern sucht  aktuell Unterstützung bei Verantwortlichen, um diese Ziele zu realisieren.

Der Fachtag „Positive Peer Culture und Schule“ endete mit einer Hausführung, geleitet von einem Jugendlichen. Sichtlich beeindruckt, machten sich die Gäste mit neuen Anregungen im Gepäck auf den Weg, weiter an ihren  eigenen Projekten zu arbeiten.

 

Über das „Projekt Chance“ - Modellprojekt für Jugendstrafvollzug in freien Formen

Das Projekt Chance wendet sich an junge „Mehrfach- und Intensivtäter“ im Alter von 14 bis 21 Jahren, die erstmals zu einer Haftstrafe ohne Bewährung verurteilt wurden. Statt Inhaftierung in einer Justizvollzugsanstalt absolvieren die Jugendlichen ein speziell für sie konzipiertes und zeitlich befristetes Training.

Das Training forciert konsequent die Verantwortungsübernahme des einzelnen Jugendlichen für sein Reden und Tun, seine Zuverlässigkeit, sein Durchhalte-vermögen, seine Anstrengungsbereitschaft und sein Engagement in der Gruppe. Begleitet durch ein konsequentes Team von Pädagogen machen die Jugendlichen neue Erfahrungen mit der Gruppe der Gleichaltrigen, mit herausfordernden Aufgaben sowie mit ihrer eigenen Handlungs- und Leistungsfähigkeit. Das Ziel von Projekt Chance ist die gelingende Reintegration der Jugendlichen in die Gesellschaft.

Projekt Chance im CJD Creglingen arbeitet nach § 7 des JVollzGB IV BW und wird durchgeführt im Auftrag des Projekt Chance e.V., finanziert durch das Justizministerium Baden-Württemberg.

Infos unter: www.cjd-creglingen.de

 

 

 

Projekt Chance als pädagogisches Vorbild für Präventionsarbeit an Schulen

Projekt Chance des CJD Creglingen als gelebtes pädagogisches Beispiel für Präventionsarbeit an Schulen

Investition in die Jugend heute stärkt Gesellschaft von morgen  

Junge Pädagogen und Sozialarbeiter informierten sich im Landratsamt Aalen über das Zusammenleben im „Projekts Chance – Jugendstrafvollzug in freier Form" im Creglinger Kloster Frauental.

„Unserer Jungs waren auf der Straße aber wir bieten ihnen Beziehung, ein Grundbedürfnis, das heute nicht mehr selbstverständlich ist," so Gerd Frick, in seinen Funktionen als Präventionsbeauftragter des Regierungspräsidiums Stuttgart, Sportlehrer der Jugendlichen im Projekt Chance und Trainer für das pädagogische Konzept "Positive Peer Culture".

Positive Jugendkultur des „Projekt Chance"

Zweimal täglich treffen sich die jungen Männer, um sich mit möglichen Ungereimtheiten zu konfrontieren und so für die Einhaltung der erarbeiteten Regeln einzustehen. Dabei bildet die positive Haltung geprägt von Respekt, gegenseitiger Wertschätzung aber klar gesteckten Grenzen den Rahmen. „Zur Begrüßung am Morgen geben wir uns die Hand", erklärte ein Jugendlicher einer neuen Mitarbeiterin des Projekts die Grundregeln. Es gibt klare Hierarchien, die zu respektieren sind, jedoch wird gegenseitige Achtung zwischen Leitung und Jugend groß geschrieben. Grundlage dafür ist das pädagogische Konzept „Positive Peer Culture" (positive Jugendkultur), das im Projekt bereits seit 2003 praktiziert und gelebt wird.

Dabei steht eine fördernde Kultur des Zusammenlebens in der Gruppe von Gleichgestellten (Peer Group) im Vordergrund. Pädagogen stehen nur beratend und hilfsbereit zur Seite. Nach langjähriger Erfahrung mit straffälligen Jugendlichen, startete die JVA Adelsheim ein Projekt zur Übernahme des pädagogischen Leitkonzepts, begleitet von Mitarbeitenden des Projekts Chance.

Neue Herausforderung für Schulen

Hier setzt eine neue Herausforderung im Rahmen der Sucht- und Gewaltprävention an allen pädagogischen Einrichtungen vom Kindergarten bis in die Schulen ein. Der Aufbau einer positiven Jugendkultur unter Kinder und Jugendlichen in Kindergärten und Schulen kann in Problemsituationen die Basis zur Verhinderung von Gewalt, Sucht und Mobbing sein.

Auf die Frage, wieso sollten sich „strafgefangene Jugendliche auf ein solches „Spießerleben" einlassen wollen, erklärte Frick aus seiner langjährigen Erfahrung heraus: „Die Antwort liegt in den Grundbedürfnissen eines jeden Menschen. Jeder möchte "dazu gehören". Junge Menschen brauchen Bestätigung in eigenen Kompetenzen und wollen respektiert werden. Unter diesen Voraussetzungen sind sie bereit, Verantwortung für sich selbst und andere zu übernehmen."

Im Rahmen des Projekts Chance gehört es auch dazu, sich durch eigenes Engagement für erstrebenswerte Privilegien einzusetzen. Ein Einzel- statt ein Doppelzimmer oder ein eigener Fernseher gehören nicht zu den Selbstverständlichkeiten und müssen „verdient" werden. Ein

Stufensystem vom "Neuling" mit null Privilegien bis zum "Tutoren" mit dem Recht auf Freigang und Heimatbesuchen innerhalb dessen man sich weiter hoch arbeiten kann, setzt Vertrauen in die jungen Menschen voraus. Tutoren leiten Neulinge an, sich der Herausforderung des Projekts zu stellen.

Jugendliche brauchen Herausforderungen

Die gemeinsame Renovierung und Umgestaltung des Klosters Frauental als Lebens-, und Arbeitsraum sowie Hausdienste bestimmen den Alltag. Die Jugendlichen haben im Rahmen von Gremien umfassende Mitbestimmungs- und Mitgestaltungsmöglichkeiten. Zudem können sie sich im Schreiner-, Maurer- und Malerhandwerk üben und haben die Option einen staatlich anerkannten Schulabschluss in der Hälfte der Regelschulzeit zu erreichen. Ihr tägliches Pensum beginnt um 6:00 Uhr am Morgen mit Joggen und endet abends um 20:00 Uhr mit den häuslichen Diensten. Ein echtes Trainingsprogramm für das Leben in Freiheit.

Länderübergreifende Vernetzung von Präventionsmaßnahmen

Als Antwort auf die Amokläufe von Winnenden und Wendlingen rief das Land Baden- Württemberg das Präventionskonzept für Schulen "stark.stärker.WIR." ins Leben, mit den Schwerpunkten Sucht- und Gewaltprävention sowie Gesundheitsförderung. Gerd Frick,und Dieter Hahn als Präventionsbeauftragte des Regierungspräsidiums Stuttgart setzten sich gemeinsam für eine Vernetzung der Präventionsaufgaben landkreisübergreifend ein.

In Kooperation mit dem Projekt Chance wird Gerd Frick auf seinen Infotagen nicht selten von einem ehemaligen Absolventen des CJD begleitet. Der Bericht eines ehemaligen Sträflings sorgt innerhalb von Klassenverbänden für Erstaunen, wie schnell es gehen kann, verleitet von Alkohol und Drogen auf die schiefe Bahn zu geraten.

„Ich war beeindruckt von der positiven Atmosphäre des Zusammenlebens im Projekt, schilderte Dieter Hahn, Gymnasiallehrer seinen Eindruck bei einem früheren Besuch im Projekt Chance im Kloster Frauental." Sobald auch nur einer da ist, der an mich glaubt, gibt es eine Chance", bemerkte Dieter Hahn aus eigener Erfahrung als Pädagoge, genau das brauchen Jugendliche heute an unseren Schulen.

Auch Andreas Schumschal, der in seiner Funktion als Kommunaler Suchtbeauftragter im Landkreis Ostalb aktiv ist, tritt als Berater für eine positive Lebenskultur mit seinen Trainingsangeboten bei den Jüngsten in den Kindergärten ein.

Gemeinsam sind sie auf dem Weg, Leiter pädagogischer Einrichtungen zu motivieren, eigenständig aktiv zu werden und die Angebote von Coachings und Fortbildungen auf diesem Gebiet zu nutzen.

Die Teilnehmenden des Infotages konnten durch den Erfahrungsbericht am Beispiel des "Projekts Chance" des CJD Creglingen einige Anregungen und mögliche Fortbildungsangebote für eine positive Jugendkultur vor Ort mit nach Hause nehmen. Zudem dürfen Schulen und andere pädagogische Einrichtungen auf direkte Hilfe von Seiten der Präventionsbeauftragten hoffen.

Information und Angebote: unter www.cjd-creglingen.de finden sie Fortbildungsangebote für Positive Peer Culture (PPC) von der Theorie zur Praxis an den interessierten pädagogischen Einrichtungen vor Ort.

Kontakte der Präventionsbeauftragen Gerd Frick gerd.frick@rps.pb-praevention.de

Dieter Hahn: dieter.hahn@rps.pb-praevention.de