Soziale Kompetenzen wieder erlangen

11.07.2017 CJD Projekt Chance « zur Übersicht

 

Mit Erlebnispädagogik soziale Kompetenzen wieder erlangen

Gemeinsam mit Günther Hahn, Haustechniker der Realschule und Erbauer des Seilgartens, durften Pädagogen des Projekt Chance und der Realschule Creglingen den pädagogisch wertvollen Effekt im Niedrigseilgarten „am eigenen Leib erfahren.“

 

Wozu Erlebnispädagogik

Seit einigen Jahren hat die Erlebnispädagogik in unterschiedliche Bereiche des öffentlichen Lebens in die Jugendarbeit (egal ob öffentlich, kirchlich oder von Vereinen) Einzug gehalten. Sei es in die Einzelbetreuung besonders auffälliger Kinder und Jugendlichen (Heimerziehung, Jugendstrafvollzug), oder auch in die Erwachsenenbildung bis hin zur Teamentwicklung von Managementgruppen größerer Unternehmen. Was landläufig als reine Freizeitgestalten gilt, wirkt erwiesenermaßen dem Verfall gesellschaftlich wertvollen Kompetenzen des Einzelnen entgegen.

Bedingt durch den Einzug des technischen Fortschritts, verbringen Kinder und Jugendliche vermehrt ihre Freizeit vor dem heimischen Computer, Fernseher oder mit dem Internet. Haben sie früher viel Zeit Schnitzeljagt, Fahrradtouren oder anderen Aktivitäten gemeinsam verbracht, beschränkt sich heute die Kommunikation der jungen Generation auf soziale Netzwerke und ähnliches. Gruppendynamische Lernprozesse, wie Konfliktbewältigung, Teamfähigkeit, gegenseitige Wertschätzung, sportliche Aktivitäten und die Fähigkeit spontan auf Ereignisse zu reagieren, gehen in der heutigen Zeit mehr und mehr verloren.

 

Drahtseilakt gelang

Mit gezielten Vorübungen, bei denen sich die Teilnehmer gegenseitig auffangen lassen mussten, wurde das Vertrauen untereinander gestärkt. Die erste Herausforderung stellte der Niedrigseilgarten. Ziel des ganzen war es, die gesamte Gruppe geschlossen über die max. 40 cm über dem Boden gespannten Gurte zu bringen. Nach mehrmaligem Abrutschen war Planung geboten. Die Durchführung der vorher getroffenen Entscheidung mussten ausprobiert und ggf. revidiert werden, denn jeder Einzelne wird gebraucht, um das gemeinsame Ziel zu erreichen. Dabei ist Rücksicht auf vermeintlich Schwächere zu nehmen wenn ein Gruppenmitglied beispielsweise mit dem Gleichgewicht Probleme hat. „Ohne gegenseitige Unterstützung kann der „Drahtseilakt“ nicht gelingen,“ erklärte Raschko seinen Schülern. Durchhaltevermögen und eine lösungsorientierte Haltung stehe hier im Vordergrund. Je größer die Grenzerfahrung geistiger, seelischer oder körperlicher Art des Einzelnen ist, desto mehr ist die Gruppe aufgefordert, dem schwächeren Glied durch die Situation hindurch zu helfen. Je stärker die emotionale Beteiligung, desto nachhaltiger können Erfahrung auf ähnliche Situationen im Alltag transferiert werden.

 

Erfahrungen der Jugendlichen im Projekt

„Das schaffen wir doch nie“, erinnert ein Trainer im CJD Creglingen an den Tag vor einigen Wochen, als die 13 Jugendlichen aus dem Projekt Chance vor derselben Aufgabe standen. Das Ergebnis sah anders aus. Alle 13 Jungs hatten es geschafft. „Es war auch für mich eine echte Geduldsprobe, zu sehen wie einige immer und immer wieder das Gleichgewicht verloren aber es hat sich gelohnt durchzuhalten,“ bestätigte er die gruppendynamische Wirkung auf die Gruppe.

                                                                                                                                                                           

                                                                                                                                                             Text und Foto: Ute Lang