Besuch Prof. Dr. Goll

23.08.2017 CJD Projekt Chance « zur Übersicht

Es geht immer um Beziehung 

Vorstandsvorsitzender des Vereins Projekt Chance, Prof. Dr. Ulrich Goll (Justizministers a.D.) besuchte vergangene Woche gemeinsam mit seinem vierzehnjährigen Sohn das Projekt im CJD Creglingen.

In einem Gesprächskreis im Klostergarten mit Jugendlichen, Pädagogen und der Leitung des Hauses informierte sich Goll über den Stand der Dinge. Die Jugendlichen erzählten von ihren Vorgeschichten und waren sich einig: „Wir wollen etwas ändern und ziehen das Training im Projekt durch.“ Einer der jungen Männer ist seit sechs Monaten im Frauental: „Es ist richtig anstrengend hier. Man muss sich alles hart erarbeiten aber wir bekommen auch etwas dafür.“ Seit einigen Tagen haben wir einen „Neuling“. Um ihm das Ankommen zu erleichtern, schläft der „Bezugstutor“, ein Jugendlicher, der bereits den höchsten Status im Training erworben hat, in seinem Zimmer. „Die wichtigsten Gespräche sind die vor dem Einschlafen“, so Georg Horneber, Leiter der Einrichtung. Beziehung sei dabei wichtig.

„Klappt es mit den Ausbildungsplätzen nach der Entlassung der Jugendlichen?“, war eine der Fragen, die Prof. Dr. Goll interessierte. „Betriebe haben oft schlechte Erfahrungen mit jugendlichen Auszubildenden gemacht. Unsere Jungs müssen sich zuerst im Projekt stabilisieren, bevor wir uns um Praktikumsplätze für sie bemühen. „Wenn Betriebe unsere Jugendlichen kennen lernen, merken sie, dass sie motiviert sind und meist erarbeiten sich die jungen Männer durch das positive Leistungs- und Sozialverhalten einen Ausbildungsplatz“, berichtet Georg Horneber „Welche Motivation hat ein Tutor, der bereits alle sechs Stufen der Projekt Trainings erreicht hat?“ wollte Goll weiter wissen. Nach dem Tutorenstatus geht es darum soziale Kompetenzen anderer zu stärken.

„Bei einem Aufstieg im Stufensystem steigt mit den Privilegien auch die Verantwortung. Zudem bauen die Jugendlichen tragfähige Beziehungen zu Mitarbeitern auf, entwickeln eine positive Einstellung zur Projektidee und eigene Ziele. Auf der Stufe Tutor ist es dann nicht mehr so wichtig, dass man von außen motiviert wird. Die eigenen Ziele, die Sache und die Beziehungen zu den Menschen um einen herum bilden dann die Motivation zum positiven Handeln“ war die Antwort des Einrichtungsleiters. Ein ehemaliger Absolvent des Projekts kam ins Kloster mit der Bitte, den Freizeitraum herzurichten, um seiner „Zukünftigen“ einen Heiratsantrag zu machen. „Da haben natürlich alle mitgeholfen,“ erzählte der 21-jährige Tutor begeistert. Daran könne man auch sehen, welche Beziehung Ehemalige zum Projekt Chance hätten, so der Eindruck des jungen Mannes. Goll fragte nach, wie es möglich sei, neue und bessere Beziehungen zu Freunden nach der Entlassung aufzubauen.

„Das Manko ist immer, dass Jugendliche bei Ihresgleichen andoggen. Die Kunst sei es, Jugendliche an Menschen die sozial gut integriert sind anzubinden,“  so Horneber. Während der Hausführung wurden die aktuellen Baustellen, sowie  die sogenannte „Wall of Fame“ vorgestellt, eine Tafel, auf der besondere sportliche Leistungen der Jugendlichen sichtbar dokumentiert werden. „Wir versuchen besondere Stärken der Jungs zu finden und zu fördern, um ihren Selbstwert zu heben und ihren späteren Fokus auf neue Interessen und somit neue Freundeskreise zu richten, endete Georg Horneber.

Auch das Bogenschießen ist eine Disziplin, mit der wir bei den jungen Menschen neue Talente entdecken und nebenbei Disziplin und Konzentration einüben. Für den 14-jährigen Justus Goll war das abschließende Bogenschießen im Klostergarten ein Highlight des Tages. Nach wenigen Schüssen konnte man die Faszination des Schießsports im Gesicht der Schützen ablesen und die konzentrierte Atmosphäre im Klostergarten wahrnehmen.                                      Text und Foto: Ute Lang