Landrat Pauli und Schulleiter wollen Projekt publik machen

13.12.2017 CJD Projekt Chance « zur Übersicht

Landrat Günther-Martin Pauli und Schulleiter Martin Kettner wollen Projekt publik machen

Jugendliche aus dem Projekt Chance warnen Schüler vor falschen Wegen

 

Prävention: Zwei Jugendliche aus dem offenen Strafvollzug machen Schülern einer achten Klasse klar: „Geht nicht unsere Wege!“ Landrat Pauli will für das Projekt Chance werben. Von Pascal Tonnemacher

Balingen (pt) Selten hat eine Doppelstunde Deutsch Schülern so bei Schülern so viel Eindruck bei Schülern hinterlassen. Zwei junge Häftlinge besuchten die achten Klassen der Realschule Frommern. Dieser Schulbesuch ist Teil des Präventionskonzeptes des Schulverbundes. Ein Trainer des Projekts Chance moderierte die beiden Stunden. Die Schule unterstreicht mit dieser Aktion ihr Leitbild, wonach die Schüler respektvoll und gewaltfrei miteinander umgehen und Lebenskompetenzen entwickeln sollen.

 

Häftlinge finden direkten Zugang

Das zu vermitteln, gelang den beiden Jugendlichen aus dem Projekt besser als den meisten Lehrkräften. Das war das Fazit. Sie fanden einen direkten Zugang zu den Schülern – ganz ohne Gruselgeschichten aus dem Knast. Hängen geblieben ist vor allem die Botschaft: „Macht etwas aus eurem Leben und lernt. Geht nicht unseren Weg, es geht auch anders. Ihr werdet es sonst bitter bereuen – so wie wir.“

Beim Projekt Chance durchlaufen die Häftlinge einen Jugendstrafvollzug in freien Formen mit klarem Tagesablauf und persönlichkeitsförderndem Programm. Sie müssen Verantwortung übernehmen und zum Beispiel Streit zwischen Insassen eigenverantwortlich klären. Die Jugendlichen berichten den Schülern von Stufen, in die sie aufsteigen können und die ihnen Privilegien verschaffen wie Musikanlagen oder Handynutzung.

Die Häftlinge haben sich selbst Grundnormen gegeben, die in Stein gemeißelt und in der Wand eingelassen sind. An diese Spielregeln halten sie sich auch: Sie haben Respekt vor anderen und sich selbst, bringen sich aktiv ein und achten fremdes Eigentum.

Der Trainer des Projekts münzte das auf die Schüler um und appellierte: „Motiviert euch gegenseitig, helft euch und macht eure Hausaufgaben.“ Das könnten sie sich von den Häftlingen, die es besser machen wollen, abschauen. Die Einsicht zur Besserung sollen die Schüler gar nicht bekommen müssen.

Die Jugendlichen aus dem Projekt Chance erzählten von ihren Wendepunkten, an denen ihnen klar wurde, dass sie etwas ändern müssen. Sie sahen die Trauer und Enttäuschung ihrer Eltern. Der sonst allwissende Vater wird plötzlich still.

An den ersten beiden Tagen in Haft habe man sehr viel Zeit nachzudenken. Sie seien die Hölle, erzählt einer. Das gehe an die Substanz.

Nach der Tat erst über die Folgen nachzudenken sei aber zu spät. Der Preis des Freiheitsentzugs, den die beiden für ihre Taten zahlen mussten, sei weitaus höher, als der der Schuhe oder des Kaugummis, die man im Affekt klaue.

 

Das Projekt weiterverbreiten

Schulleiter Martin Kettner will seine Schule nicht als Leuchtturm sehen, sondern andere von diesem Präventionsgedanken, wie er auch im neuen Bildungsplan der Landesregierung verankert sei, anstecken.

Dabei kann er auf weitere Unterstützung bauen. Landrat Günther-Martin Pauli war ergriffen und begeistert vom Projekt Chance. Er will künftig dafür werben: vor allem bei den Berufsschulen, im kriminalpräventiven Rat und bei den Bürgermeistern im Landkreis.

 

Botschaft vom respektvollen Umgang

„Die vielschichtigen Botschaften vom respektvollen Umgang bis zur Gleichheit aller Menschen, sollten verbreitet werden – in weiteren Schulen und außerhalb der Klassen,“ sagte der Landrat. Deshalb suche er auch  den Kontakt zum Kultusministerium und Landtagsabgeordneten.

Die stellvertretende Schulleiterin Sandra Ade-Heiner möchte die Attraktivität des Projekts nach außen spiegeln und streuen; das Projekt aber an ihrer Schule behalten.